Adelheid Christ
Heilpraktikerin für Psychotherapie
Zweibrücker Str. 34
76829 Landau/Pfalz
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Gefühle regulieren lernen

Gefühle selbst regulieren zu können heißt, eigene Impulse und Erregungszustände wie z.B. Wut oder Angst beeinflussen zu können. Es ist die Fähigkeit, sich selbst zu steuern und Gefühle selbst zu verändern.

Wir können also Einfluss nehmen auf unser Nervensystem, damit es sich in einer Balance von Anspannung und Entspannung bewegt. Im Idealfall haben wir das in der Kindheit gelernt, wenn wir genügend und ausreichend beruhigt worden sind. Wir haben also – im Regelfall durch unsere Mutter – gelernt, mit unseren Gefühlen umzugehen und wurden bei überbordenden Gefühlen wie Panik, Schmerz oder Wut aufgefangen. So wurde langsam auch im Inneren ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit aufgebaut. Dies heißt in der Fachsprache, wir wurden Co-reguliert.

Bei vielen Menschen jedoch fehlte solch eine zuverlässige und liebevolle Zuwendung in der frühen und auch späteren Kindheit. Dies bedeutet, unser Nervensystem befand sich schon sehr früh in einem hohen Stresszustand. Es fand nie ein Shutdown statt, eine Entspannung und Beruhigung. Wir wurden quasi oft weggespült von starken Gefühlen. Diese wurden als Kontrollverlust und Bedrohung erlebt. Um trotzdem überleben zu können, hat die Natur Mechanismen eingerichtet. Natürliche Reaktionen auf Gefahr und hohen Stress sind Flucht oder Angriff. Beides ist im Kleinkindalter nicht möglich, da sein Überleben abhängt von Erwachsenen. Deshalb passiert oft eine dritte natürliche Reaktion, wie die Abspaltung von Gefühlen, Erstarrung (Depression), Überanpassung, hohe Wachsamkeit, innerer Rückzug, Lethargie. Dies geschieht immer mit dem Gefühl der Ohnmacht, Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins. All dies sind hohe und komplexe Anpassungsleistungen und sehr sinnvoll in dieser Situation.

Doch das Problem entsteht dann in der Folgezeit. Diese erlernten Anpassungsleistungen werden chronisch, verfestigen sich. Der eigene Körper und die Gefühle werden als bedrohlich wahrgenommen und viele Reaktionen werden dann unterdrückt. Das Nervensystem befindet sich nie in einem regulierten und entspannten Zustand, da immer eine überschüssige Energie im System festgehalten wird. Sie konnte ja nie abgebaut und losgelassen werden. So ist eine gewisse Starrheit entstanden. Wir können nicht flexibel reagieren, sind sofort auf 180, unsere Muskeln sind verspannt, haben Ängste und fühlen uns chronisch überfordert. Wir funktionieren, können aber oft nicht kreativ sein, fröhlich sein, nicht vertrauen. Die Welt wird als gefährlicher Ort erlebt.

Es gibt aber Wege zur „Nachjustierung“. Wir können auch noch im Erwachsenenalter lernen, unsere Gefühle zu regulieren. Wir können lernen, in Alternativen zu denken, bewusste Entscheidungen treffen, eine Verbindung zu unserem Körper und zu unserem Inneren aufbauen.

Dies ist ein längerer Prozess. Es ist ein Heilungsweg. Dazu braucht es Wissen, viel Mitgefühl für sich selbst und eine gewisse Offenheit für neue Erfahrungen.

Die moderne Psychotraumatologie bietet viele Erkenntnisse und wertvolles Wissen, diese komplexen Zusammenhänge zu verstehen.

Psychotherapie ist Begleitung durch einen Menschen, der über dieses Wissen verfügt und sehr sensibel den inneren Weg mitgeht. Jeder Heilungsweg ist anders, jeder Mensch ist anders und einmalig. Für mich bedeutet Psychotherapie nicht das Wegmachen von Symptomen, sondern sie ist nach meinem Verständnis Persönlichkeitsentwicklung. Die Entwicklung hin zur ureigenen Ganzheit und Fülle.