Kennen Sie das? Sie lassen in einer Schlange immer anderen den Vortritt, obwohl Sie zuerst da waren und es eilig haben. Sie entschuldigen sich reflexhaft, obwohl der andere Sie angerempelt hat. Dieses Verhaltensmuster meint People Pleasing. Es ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet.
Definition
In „Psychologie Heute“ (12.01.24) erklärt die Psychologin Ulrike Bossmann, dass People Pleasing ein Entscheidungsmuster meint, wo die anderen immer zuerst kommen. Dabei ist wichtig, den anderen nicht zu verärgern, Konflikten aus dem Weg zu gehen und das Wohl des anderen über das eigene Wohl zu stellen. Die Harmonie steht an erster Stelle.
Empathie, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sind wunderbare Eigenschaften. Sie halten uns Menschen als Gemeinschaft zusammen. Das ist mit People Pleasing nicht gemeint. People Pleasing ist eine Übertreibung – diese Menschen stellen das eigene Wohl prinzipiell immer hinten an und nehmen sich selbst nicht ernst und wichtig.
Nett sein ist wichtig und eine Sozialkompetenz. People Pleasing hingegen heißt „gefällig sein“. Es ist eine Über-Anpassung.
Negative Folgen
Diese Menschen kennen oft ihre eigenen Bedürfnisse nicht, weil sie diese fortwährend übergehen. Sie richten sich nur nach den Wünschen von anderen. Dies führt irgendwann in eine tiefe Erschöpfung und in ein Hamsterrad, wo sie nur noch funktionieren. Das bedeutet Stress, und das Selbstwertgefühl leidet. Sie denken, sie werden nur gemocht, wenn sie anderen gefallen. Dabei verlieren diese Menschen sich selbst, sie können sich nicht gesund abgrenzen und werden dadurch irgendwann krank. Das kann bis zum Burnout und zu psychosomatischen Erkrankungen gehen.
Wie können People Pleaser ein angemessenes Verhalten lernen?
Sie tragen eine unsichtbare Bürde. Oft ist das ein erlerntes Muster aus der Kindheit, das sich in späteren Beziehungen fortgesetzt hat. Was kann ich tun?
- Selbstbeobachtung und Reflexion sind die ersten Schritte. Wann und warum habe ich Ja gesagt?
- Sich der eigenen Bedürfnisse bewusst werden! Sich öfters fragen: Wie geht es mir? Was brauche ich? Was möchte ich?
- Einen anderen Menschen zu enttäuschen lässt sich nicht immer vermeiden.
- Konflikte gehören zum Leben dazu. Wenn zwei verschiedene Wünsche und Bedürfnisse da sind, können Kompromisse gefunden werden.
- Nein sagen heißt nicht, dass ich den anderen nicht mag.
- Aushalten lernen, dass der andere erst mal nicht begeistert ist, wenn ich seinen Wunsch nicht erfülle.
- Positive Selbstgespräche führen, sich selbst Wert schätzen!
- Eigene Wünsche äußern lernen. Zuerst vor sich selbst, dann bei anderen.
- Wenn jemand eine Bitte an Dich hat, erst kurz überlegen, ob ich das jetzt wirklich machen möchte. Freundlich ablehnen ist erlaubt!
- Zu sich selbst zu stehen ist erlaubt und genau so wichtig wie ein harmonisches Miteinander. Das ist Selbstrespekt und gesund!
Authentisch und empathisch – keine Gegensätze!
Dies ist ein Lernprozess. Letztendlich können wir nur ein erfülltes und gesundes Leben führen, wenn wir freundlich mit uns selbst und anderen umgehen.
Die Angst, dass eine Beziehung zerbricht oder der andere mich nicht mehr mag, weil ich Nein gesagt habe, ist der tiefe Grund für das zwanghafte Ja-Sagen.
Wenn diese Angst sehr stark ist, macht eine professionelle Unterstützung Sinn oder ist sogar notwendig.