Jeder vergleicht sich mit anderen. Doch je mehr dies im Kopf Raum einnimmt, desto unzufriedener und unglücklicher macht das. Es ist oft ein Selbstläufer und kann eine negativ-Spirale in Gang setzen. Dann fühle ich mich immer kleiner und wertloser.
Wie kann ich es schaffen, anders zu denken? Diese Fragen und Schritte können helfen:
1. Warum vergleiche ich mich mit anderen?
Wir Menschen sind soziale Wesen, brauchen einander und wollen dazugehören. Deshalb ist es für uns von Geburt an lebensnotwendig, meine Umgebung zu beobachten und das Verhalten von anderen wahrzunehmen. Vergleiche dienen dazu, mich zu orientieren, mich anzupassen und zu lernen.
2. Aufwärtsvergleich/Abwärtsvergleich
Es gib unterschiedliche Vergleichsarten. Beim Aufwärtsvergleich sehe ich beim anderen das Bessere – stelle ihn in meiner Bewertung also höher als mich: Die Schwester ist besser im Joggen, die Freundin ist nie krank und fährt dauernd in Urlaub – Ich hingegen bin ein Unglücksrabe mit meiner chronischen Krankheit, meiner Erschöpfung, meiner Einsamkeit und den finanziellen Problemen. Mein Bekannter ist so beliebt und hat viele Freunde. Und was ist mit mir? Ich rede nicht gerne und bin ein Einzelgänger. Fazit: den anderen geht es (vermeintlich) besser.
Ein Abwärtsvergleich ist, wenn ich mich mit jemandem vergleiche, dem es schlechter geht als mir oder der etwas nicht so gut kann wie ich. Dies kann helfen, mich besser zu fühlen. Es kann aber auch ein künstliches Überlegenheitsgefühl erzeugen.
3. Können Vergleiche auch gut für mich sein?
Ja, wenn ich von anderen etwas lernen möchte. Ich kann mir Eigenschaften oder das Leben eines anderen als Vorbild nehmen. Dies kann als Ansporn dienen, mich weiter zu entwickeln. Wie zum Beispiel ein Auszubildender von seinem Lehrmeister viele Dinge lernt und sich immer mehr verbessern möchte.
4. Wie höre ich mit dem ungesunden Vergleichen auf?
Mit mentaler Arbeit und Training:
- Immer schneller vergleichende Gedanken erkennen!
- Prüfen: macht der Vergleich ein schlechtes Gefühl?
- Gedanken entgegensetzen: Andere dürfen in manchen Sachen besser sein, mehr Glück haben, ich gönne ihnen das. Aber ich sehe nur einen Ausschnitt aus dem Leben eines anderen. Keinem Menschen geht es immer in allen Bereichen toll, wie es den Anschein hat oder ich mir das ausmale.
- Sich selbst fragen: Kann ich mich so annehmen, wie ich bin? Ich muss nicht perfekt sein. Kein Mensch kann das. Das ist eine Illusion. Ich darf so sein, wie ich bin. Ich darf Schwächen haben, fehlerhaft sein und auch mal Pech haben. Ich bin trotzdem wertvoll.
- Sollte ich das nicht glauben können, gibt es tiefere Gründe dafür. Wieso lehne ich mich ab? Wieso fühle ich mich immer benachteiligt? Was ist mein innerer Schmerz? Wie kann ich Heilung finden?
5. Erlaubt: Vergleich mit dem früheren Ich!
Nur dieser Vergleich ist sinnvoll. Ich schaue mir an, was ich in meinem Leben schon alles geschafft habe. Mit welchen Schwierigkeiten und Krisen ich fertig geworden bin. Was ich gelernt habe. Welchen Menschen ich schon geholfen habe.
Praxistipp: Liste erstellen von meinen Erfolgen. Diese dürfen gewürdigt und gefeiert werden! Das ist enorm wichtig.
6. Ich bin einmalig und wertvoll
Innere negative Überzeugungen und Selbstbilder verwandeln. Das geht nur Schritt für Schritt.
Ich bin genau so richtig, wie ich bin. Das hängt von keiner Leistung ab. Niemand lacht so wie ich, niemand fühlt so wie ich. Ich habe einen Platz auf dieser Welt, allein deshalb, weil es mich gibt. Ich darf lernen, Fehler machen und Sachen ausprobieren. Und wenn ich zu ängstlich bin und mich zurzeit schwach fühle, darf ich mir Unterstützung holen. Auch das darf sein und macht mich zu keinem minderwertigen Menschen. Das sollte immer selbstverständlicher werden. Wir alle brauchen positive Bestätigungen von anderen Menschen.
Praxistipp: ein Dankbarkeitstagebuch führen
Es ist meine Ur-eigenste Lebensaufgabe, immer mehr der Mensch zu werden, der ich im innersten Kern bin.